Fünf Jahre Deepwater Horizon-Katastrope: Zeit sich vom Tropf des Erdöls zu lösen

Am 20. April jährte sich zum fünften Mal die Explosion der Erdölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko. Mehr als 750 Millionen Liter Erdöl gelangten ins Meer, hunderte Kilometer Strand wurden verpestet, Menschen und ganze Branchen an der Küste verloren ihre Lebensgrundlage. Vom Erdölkonsum haben uns solche Mega-Katastrophen bislang kaum abgeschreckt. Im Gegenteil, die Erdölnutzung steigt global weiter an. „Ein Umstieg auf Erneuerbare Energien ist dringend notwendig“, mahnt Philipp Vohrer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE), und verweist auf Alternativen.

Der Ölteppich, der 2010 durch die Deepwater-Horizon-Katastrophe entstand, entspricht einer Fläche von der Größe weiter Teile Norddeutschlands. Während Gebiete am Golf von Mexiko weiterhin unter den Folgen der Ölkatastrophe leiden, sind die Profite der Ölkonzerne seit der Deepwater-Horizon-Katastrophe kräftig gesprudelt: BP als an dem Unfall beteiligter Konzern brachte es von 2011 bis 2014 auf Gewinne von mehr als 63 Milliarden Dollar. Die Nachsteuer-Gewinne der vier Erdölkonzerne Shell, Exxon Mobil, BP und Chevron summierten sich in den vier Jahren auf fast 400 Milliarden Dollar, das sind zum aktuellen Euro-Kurs etwa 362 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2015 sieht Ausgaben von knapp 300 Milliarden Euro vor.

Die Profite der Konzern werden durch die weltweite Erdölnachfrage gestützt. Denn der weltweite Erdölverbrauch steigt weiter. Das liegt vor allem an der starken Nachfrage des Verkehrssektors. „Während die Erneuerbaren Energien im Stromsektor in vielen Staaten, darunter in Deutschland, durch sinnvolle Rahmenbedingungen stark ausgebaut werden konnten, lässt eine Energiewende im Verkehrssektor noch auf sich warten“, konstatiert Vohrer. „Für eine solche Energiewende müssen wir auf umweltfreundliche Kraftstoffe und effizientere Antriebe umsteigen und weniger mit Auto und Flugzeug reisen. Für die Mobilität mit Erneuerbaren bieten nachhaltig produzierte Biokraftstoffe sowie Elektromobilität mit erneuerbarem Strom schon heute Alternativen zum Erdöl“, betont Vohrer.

Im Zuge des Ölpreisverfalls werden die seit 2014 stark gefallenen Erdölpreise mancherorts als Konjunkturprogramm gefeiert. Die Realität sieht anders aus: Eine verstärkte Nutzung von Erdöl verlängert und erhöht die Abhängigkeit von gefährlichen Importen. So erinnert uns die Deepwater Horizon-Katastrophe an die eigentlichen Megatrends in der Erdölwirtschaft: Weil leicht zugängliche Reserven immer seltener werden, steigt das Interesse an Vorkommen in großen Meerestiefen und anderen schwer erreichbaren Standorten. Mit der Ausbeutung solcher Reserven steigt auch der Klimagasausstoß. Für Erdöl aus einer Tiefe von 6.000 m legen Forschungsberichte Emissionen von 104 bis 125 g  Kohlendioxid-Äquivalent (CO2eq.) pro Megajoule (MJ) zugrunde. Zum Vergleich: Für die Einsparung von Treibhausgasen durch Biokraftstoffe wird in der Europäischen Union ein Vergleichswert von lediglich 83,8 g CO2 eq./MJ für fossilen Kraftstoff genutzt. Das heißt: Wandert Tiefseeöl in Tanks deutscher Autos ist die Treibhausgaseinsparung durch Biokraftstoffe noch deutlich höher als derzeit angenommen.

Gefahren der Erdölnutzung lauern nicht nur in weit entfernten Förderländern oder vor unseren Küsten, sondern auch im deutschen Binnenland. Beispielsweise traten im Herbst 2013 bei einem Ölunfall im Umfeld des Kavernenfeldes Etzel im niedersächsischen Landkreis Wittmund rund 40.000 Liter Rohöl aus und verschmutzten umliegende Gewässer. „Der Jahrestag der Deepwater-Horizon-Katastrophe führt uns die Folgen unserer weiterhin bestehenden Abhängigkeit von gefährlichen fossilen Energien schmerzhaft vor Augen. Unabhängigkeit bieten nur die Erneuerbaren“, unterstreicht Vohrer.

Pressekontakt:
Agentur für Erneuerbare Energien
Alexander Knebel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel:   030 200535 52
Mail: a.knebel@unendlich-viel-energie.de